Mentaltraining, Phantasiereisen … warum und wie sie funktionieren und wirkungsvolles Instrument sind

Liebe Leser_innen,

ich muss eingestehen, wenn ich früher etwas von Mentaltraining oder Phantasiereisen gehört habe,  so habe ich das in die Ecke „Hokuspokus“ und „die machen sich doch alle was vor“ gepackt. Mit den Jahren habe ich selbst die Kraft dieser Methoden erfahren und kennen gelernt und freue mich, in den Erkenntnissen der Hirnforschung auch Erklärungen zu dem „warum“ und „wie“ gefunden zu haben.

Machen wir also einen kleinen Ausflug in die Welt der Spiegelneuronen um zu verstehen wie unser Gehirn lernt – nicht nur alle möglichen Tätigkeiten, sondern eben auch Einstellungen und die Gefühle, die wir bezüglich unserer Lebenssituationen entwickeln – und wie wir dies nutzen können um unsere Zukunft zu gestalten.

Ein kleiner Ausflug in die Welt der Spiegelneuronen

Spiegelneuron: Ein Spiegelneuron (Plural:  Spiegelneurone oder auch Spiegelneuronen) ist eine Nervenzelle, die im Gehirn von Primaten während der Betrachtung eines Vorgangs die gleichen Reize auslöst, wie sie entstünden, wenn dieser Vorgang nicht bloß (passiv) betrachtet, sondern selbst (aktiv) durchgeführt würde. Seit ihrer Entdeckung im Jahr 1995 [Anm.de.V. von Giacomo Rizzolatti bei Affen im Tierversuch] entdeckt herrscht eine Debatte darüber, inwieweit sie zu den Fähigkeiten der Empathie und Imitation bei Primaten beitragen. [ http://de.wikipedia.org/wiki/Spiegelneuron]

Joachim Bauer zeigt in seinem Buch „Warum ich fühle, was du fühlst“ auf, inwieweit wir alles was wir lernen, gerade im bezug auf das emphatische Empfinden, dies über das Nachahmen, das Aktivieren eben dieser der Spiegelneuronen tun.

[…] Der Vorgang der Spiegelung passiert simultan, unwillkürlich und ohne jedes Nachdenken. Von der wahrgenommenen Handlung wird eine interne neuronale Kopie hergestellt, so, als vollzöge der Beobachter die Handlung selbst. Ob er sie wirklich vollzieht, bleibt ihm freigestellt. Wogegen er sich aber gar nicht wehren kann, ist, dass seine in Resonanz versetzten Spiegelneurone das in ihnen gespeicherte Handlungsprogramm in seine innere Vorstellung heben. Was er beobachtet, wird auf der eigenen neurobiologischen Tastatur in Echtzeit nachgespielt. Eine Beobachtung löst also in einem Menschen eine Art innere Simulation aus.  [Auszüge aus Joachim Bauer „Warum ich fühle, was du fühlst“; Quelle: http://spiegel-neuronen.blogspot.com/2008/05/auszge-aus-j.html]

Was dies konkret für unser Lernen bedeutet zeigt Vera F. Birkenbihl anschaulich in ihrem Artikel „Der Tanz der Phantome“ in der F.A.Z. auf.

[…]Wir können von Spiegelneuronen unterstützte Lernprozesse in drei Kategorien unterteilen. Zum einen können sie sofort oder wenigstens bald wirken. Dann, wenn wir eine einfache neue Tätigkeit lernen wollen, was über Zuschauen, Mitmachen, Nachmachen am leichtesten geht. Zweitens wirken Spiegelneuronen über einen längeren Zeitraum: Hier finden wir sowohl den Sechsjährigen wieder, der seit zwei Jahren allen Radfahrern sehnsüchtig hinterherschaut, weil er so gerne selbst fahren möchte. Er legt einen Großteil der Spiegelneuronen für Radfahren an, noch bevor er das erste Rad geschenkt bekommt.[und kann dies dann viel schneller als ein ebenfalls Sechsjähriger der sich nicht für Radfahren interessierte] In diese Kategorie gehören auch unsere „Spaghetti-Neuronen“, die unseren Lernprozess als Kind so erleichtert hatten. [eine Bezeichnung von Vera F. Birkenbihl aufgrund des folgenden Beispiels: Sie werden aktiv, wenn wir erstens anderen zusehen, die ihre Spaghetti aufrollen; wenn wir zweitens es selbst tun und wenn wir drittens daran denken, dass jemand Spaghetti essen könnte] Ähnlich ist das Leben später, wenn wir einem Meister, Guru oder Mentor im Laufe einer Zeit vieles „abschauen“. Drittens schließlich lernen wir mit Spiegelneuronen manche Dinge quasi auf Vorrat. Unser Gehirn speichert die Szene für die Zukunft. Im einem Fall speichert es also die entscheidenden Vorgänge zu einem Lebensabschnitt, im anderen können die Vorgänge an einen bestimmten Umstand gekoppelt sein, wie „Chefsessel besetzen“, und dann setzt die Zeitbombe Spiegelneurone gewisse Verhaltensweisen frei – gleich ob man dreißig oder fünfundfünfzig Jahre alt ist.[…]

[…]Spiegelneurone sind auch aktiv, wenn wir beobachten, wie Mitmenschen emotional agieren oder reagieren[…]

[…]Die im Zusammenhang mit den Spiegelneuronen gemachten Entdeckungen liefern den neurophysiologischen Beweis dafür, dass Gedanken physiologische, also materielle Wirkungen erzeugen (was man lange bestritten hat). [Vera F. Birkenbihl, Auszüge aus dem Artikel „Tanz der Phantome“ der F.A.Z. Serie: Gehirntraining vom 21.04.2008; Quelle: http://birkenbihldenkt.wordpress.com/2009/08/06/spiegleneurone/]

Diese Erkenntnisse der Hirnforschung belegen, dass unser Gehirn also in der gleichen Weise aktiviert wird (also lernt und die entsprechenden Spiegelneuronen anlegt) wenn wir etwas beobachten, wie wenn wir etwas selbst erleben – was wiederum bedeutet, dass wir auch lernen wenn wir uns etwas „im Geiste“ vorstellen. Dies erklärt ebenso die Wirksamkeit von Story-Telling und wie wir von Vorbildern lernen können.

Wir können unseren Geist, unsere Phantasie also nutzen um unsere Zukunft zu gestalten und zu „üben“.

Sie suchen ihren Traumpartner oder haben ein Date? – Stellen Sie sich vor wie diese Date verläuft, wie Sie es sich ersehnen, wie es in ihrem optimalen Wunschszenario aussieht, wie es sich anfühlt, was passiert. Schreiben Sie es auf (unterschätzen Sie nicht die Macht der Worte). Sie werden anders in diese Begegnung gehen, als würden Sie mit all ihren Befürchtungen und Selbstzweifeln dort auftauchen. Sie haben geübt, Sie wissen was Sie erleben können und wollen — und erkennen im Zweifelsfall sofort wenn es nicht passt und sparen kostbare Lebenszeit — den Sie können ja bereichernde und erfüllende Begegnungen erleben.

Sie halten bald einen wichtigen Vortrag? Üben Sie. Üben Sie laut, üben Sie im Geiste, stellen Sie sich vor wie Sie da stehen, betrachten Sie das Publikum, erleben, gestalten Sie den Sektempfang danach. Erleben Sie die Stimmung die Sie haben wollen während des Vortragens.

Üben Sie. Alles, indem wir eine Meisterschaft erlangen wollen bedarf der Übung und wir haben mit unserem Geist, unserer Vorstellungskraft ein wunderbares Instrument zur Verfügung über das wir selbst bestimmen können.

Die Möglichkeiten dieses „Üben“ zu gestalten sind vielfältig. Das reicht vom Tagträumen über geführte Phantasiereisen hin zum Zukunftszenarios schreiben und der täglichen Affirmation.

Ich wünsche Ihnen viel Freude dabei …

… und melde mich bald mit weiteren Gedanken zum Thema.

Tanja Ries

 

 

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