Veränderungen – Abschied, Neubeginn und das „Dazwischen“

Liebe Leser_innen,

wie immer im Frühling (so behauptet zumindest ein guter Freund von mir) stehen, soweit mein Auge das erblicken kann, Veränderungen an. Ob das nun das Beenden einer Beziehung ist die schon seit langem mehr Leid als Freude bedeutet, die Kündigung eines Jobs, der eigentlich noch nie wirklich erfüllend und befriedigend war oder der Umzug in eine neue wunderschöne Wohnung ansteht oder der berufliche Supergewinn an die Tür klopft. Was all diesen Beispielen gemein ist: sie stellen Veränderungen dar, was bedeutet, das Beenden eines „alten“ Zustandes gefolgt von einem Neubeginn.

Nun scheint es, dass all die genannten Beispiele sich auf jeden Fall zum „Besseren“ hin wenden – und doch tut es (meist) weh, macht Angst oder löst schlicht Verwirrung aus. Ja!. Selbst wenn wir im Falle des Beendens einer Beziehung eine alte, ungesunde Struktur auflösen, ein tiefsitzendes Muster verstehen und wandeln, so verlassen wir doch einen Zustand der, ganz gleich wie wohl oder unwohl wir uns darin gefühlt haben, ein Teil unseres Lebens war; und nicht irgendein Teil, sondern einer über den wir uns definiert haben, einer, der uns in seiner Vorhersehbarkeit Sicherheit gegeben hat. Die Zukunft scheint ungewiss. Ebenso verhält es sich mit dem unliebsamen Job der endlich keinen Raum mehr in unserem Leben bekommt – er hat uns begleitet, unseren Tagesablauf bestimmt, wir waren gebettet in ein soziales Gefüge und wussten wie viel Geld wir am Ende des Monats auf unserem Konto haben. Unsere alte, eigentlich zu kleine und viel zu dunkle Wohnung, gab uns für lange Zeit Schutz, barg all unser Erleben und war lange Zeit Zeuge all unserer Hochs und Tiefs – und selbst wenn wir freudig unserem „Supergewinn“ entgegenfiebern, so verlassen wir doch etwas. Etwas uns vertrautes. Ein Gefühl der Sicherheit.

Veränderungen, ganz gleich ob wir sie subjektiv als positiv oder negativ erleben, folgen immer dem gleichen Ablauf

– eine Zeit der Reflektion, des Erkennens, des inneren Aufbruchs, des Abwägens – an dessen Ende eine Entscheidung steht. Ob diese eher als Beenden des Alten oder als Beginn des Neuen empfunden wird ist individuell unterschiedlich – und sie fühlt sich in der Regel besser an, wenn wir sie selbst getroffen haben und nicht, wenn wir das Gefühl haben, die Entscheidung sei „über unseren Kopf hinweg gefällt worden“. Doch, halten Sie für einen Augenblick inne und denken Sie an die Momente, an denen die Entscheidungen scheinbar „über ihren Kopf hinweg“ gefällt wurden. War das wirklich so? Was haben Sie dazu beigetragen? Bzw. was haben Sie versäumt um die Entscheidung zu verhindern? Gab es in Ihnen nicht doch etwas, das genau diese Entscheidung ersehnt hat? Könnten Sie sich eigentlich bei denen bedanken die diese Entscheidung gefällt und somit auch die Verantwortung dafür übernommen haben?

– was dann folgt, ist eine Zeit des „Dazwischens“. Die alten Regeln gelten nicht mehr – das Neue scheint noch nicht klar erkennbar. Eine Zeit des Chaos, der Verwirrung, der Neu-ordnung und eine Zeit der Trauer über den Verlust des Alten. Eine Zeit, die im allgemeinen als „Unsicher“ empfunden wird, eine Zeit, für die wir immer weniger (gesellschaftliche) Formen haben. Nehmen Sie sich diese Zeit. Erleben Sie diese Zeit. Gestalten Sie sie. Sie ist not-wendig, damit das Neue wahrlich etwas Neues werden kann. Neuordnung braucht den Zustand des „Chaos“ – ein Prozess den wir sowohl in der Physik als auch in Kreativitätsprozessen beobachten können. Chaos, vermeintlicher Stillstand, Verwirrung, aus dem heraus das Neue Gestalt annehmen kann. Am Ende dieses Zustandes steht

– der Neubeginn. Die Ideen und Möglichkeiten werden Ihnen nur so zufliegen. Das Chaos ordnet sich und nimmt wieder Gestalt an. Sie sind der Gestalter des Neuen – wenn Sie den Prozess des Abschiedes und der Neuordnung durchlebt und zugelassen haben.

Das Gestalten des „Dazwischens“

– Trauern Sie, nehmen Sie Abschied. Eine Möglichkeit hierfür ist einen Abschiedsbrief zu schreiben und sich zu bedanken. Ja, Sie können sich auch bei einer inneren Struktur bedanken die Sie vermeintlich jahrelang behindert hat. Ohne Sie wären Sie nicht da wo sie jetzt sind, ohne Sie, hätten Sie nicht all das erlebt und erreicht was Sie erreicht haben, auch nicht den Erkenntnisgewinn über den Sie jetzt verfügen, auch nicht all die Narben die ihre Seele oder ihr Herz zeichnen und die Sie ausmachen, die Sie vielleicht sogar am Leben gehalten haben, die Sie sind und ihnen Schönheit verleiht. Ja, sie können sich auch bei dem „blöden Job“ bedanken, denn jetzt wissen Sie, was sie nicht mehr wollen, vielleicht sogar schon was Sie wollen, Sie haben viel über sich gelernt und bestimmt den ein oder anderen Freund gewonnen in dieser Zeit oder wertvolle Kontakte gemacht. Ja, Sie können sich auch bei einer Wohnung bedanken für die Zeit und den Schutz den Sie ihnen geboten hat. Sie können trauern um den Verlust. Machen Sie ein Photobuch, weinen Sie, schreiben Sie Lieder und Gedichte, erzählen Sie Freunden davon … auch wenn ihr Supergewinn an die Tür geklopft hat. Verabschieden Sie sich.

– Schaffen Sie sich einen „Ort der inneren Sicherheit“. Sie können ohne ihn/sie nicht leben? Erinnern Sie sich, dass sie sehr wohl schon ohne ihn oder sie gelebt haben – mit anderen vielleicht, auf jeden Fall immer mit sich selbst. Was macht Sie aus? Was hat Ihnen schon immer das Gefühl von Sicherheit vermittelt. Bei mir ist es der Grießbrei mit Zimt und Zucker den meine Mutter früher immer gemacht hat, es gibt Lieder die mich schon lange begleiten, Freunde, die mein Leben länger begleiten als jede Beziehung das jemals könnte, ich habe eine Hose die ich liebe und die mich sofort „bei mir sein lässt“ und ein Glückskleid. Meditieren Sie. Begeben Sie sich an einen Ort (einen inneren oder äußeren) der Geborgenheit. Bitten Sie Ihre Freunde Ihnen zu sagen was Sie auszeichnet, lassen Sie sich Komplimente machen. Was vermittelt Ihnen das Gefühl von Heimat? Nehmen Sie den liebgewonnenen alten Lampenschirm mit in die neue Wohnung, ja, den, den Sie schon seit Jahren von einer Wohnung in die nächste schleppen auch wenn er nie passt … vielleicht verschenken Sie ihn auch dieses Mal weil Sie ihn nicht mehr brauchen. Vertrauen Sie sich. Vertrauen Sie dem Leben. Bisher hat es doch gut für Sie gesorgt (sonst würden sie jetzt nicht hier sitzen können und diesen Beitrag lesen). Haben Sie ein Ritual? Die Tasse Kaffe am Morgen während das Radio läuft, den Sonnengruß, ganz gleich wo sie sich auf der Welt befinden. Bestaunen und beobachten Sie das Chaos, vielleicht liefert es Ihnen schon Hinweise auf die Gestaltung des Neuen. Träumen Sie. Schreiben Sie Glückslisten (https://fischerintanjaries.wordpress.com/category/coaching/tools/) und Wunschzettel. Gehen Sie spazieren oder tun Sie etwas, was Sie noch nie getan haben. Nachmittags, mitten in der Woche ins Kino gehen, oder in eine Ausstellung. Tanzen Sie zu lauter Musik in ihrer Wohnung. Lesen Sie endlich das Buch, das seit Wochen auf ihrem Nachttisch liegt. Vertrauen Sie sich. Geben Sie sich Heimat. Folgen Sie ihrer Sehnsucht (und auch wenn das Wort Sehnsucht – ein inniges Verlangen – in der Regel mit dem Leiden, eben dies nicht erreichen zu können, verstanden wird, so verstehe ich dieses Wort – inniges Verlangen – , als einen Hinweise darauf, wo es hingehen soll, wo meine Erfüllung liegt, als Motor. Ebenso verstehe ich das innige Verlangen auf einen Zustand gerichtet – nicht an eine bestimmte Person, Sache oder Ort geknüpft. Entgegen den etymologischen Erklärungen setze ich das Wort zusammen aus „sehnen/Sehne“ = Verbindung und „Suchen“. In der Erfüllung, die in meiner Hand liegt, bedeutet dies, die Verbindung zu sich selbst, der eigenen Erfüllung zu leben).

Ich wünsche Ihnen ein intensives Erleben, Zuversicht und Gelassenheit. Tanja

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3 Gedanken zu “Veränderungen – Abschied, Neubeginn und das „Dazwischen“

  1. So wahr und so toll geschrieben!
    Danke, mein Tag wurde soeben erhellt! :o)

  2. Ich erlebe diese Zeit des Neubeginns auch – im Kleinen wie im Großen : )
    Altes bäumt sich auf, will nicht weg, aber das NEUE ist längst DA und findet seinen Weg. Wenn wir es zulassen…

  3. Wow, liebe Tanja 🙂

    …den Blog habe ich ja gar nich mitbekommen, im Chaos des Übergangs…auf dem Platou des Lebens :)))

    Danke! Wunder voll aus dem Herzen geschrieben, so wahr und so treffend, so aufbauend und motivierend…..Raum gebend, für das Neue!!!

    Sei gegrüßt und umarmt und nochmals ein herzliches tiefes Dankeschön aus Muc,

    Marion***

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