Verhindern … aber richtig ;-)

Liebe Leser_innen,

kennen Sie das Phänomen des Verhinderns? Welch unendliche Kreativität wir entwickeln können wenn es darum geht Erfolg zu vermeiden? Ein von uns gestecktes Ziel unter keinen Umständen zu erreichen? Oder eine (scheinbar oder wirklich?) wichtige Aufgabe auf keinen Fall zu erledigen? Wenn wir vor lauter Wald die Bäume nicht mehr sehen?  … da es ja so viele andere Dinge gibt die unbedingt erledigt werden wollen, die auf einmal Raum und Zeit einnehmen oder unser Denken beherrschen? Und die kommen dann einfach so, spontan, ohne, dass wir irgend einen Einfluss darauf haben, in unser Leben geschneit und fordern unsere ganze Aufmerksamkeit, bringen unsere Zeitplanung durcheinander und hindern uns daran uns auf das Wesentliche, das von uns entschiedene und geplante zu konzentrieren! (Das stimmt so natürlich nicht – aber es „scheint“ so ;-))

Gut, wir alle kennen den Klassiker: eine wichtige Arbeit steht an. Ein Artikel will geschrieben werden, oder eine Abschlussarbeit, die Steuererklärung winkt uns zu – und was tun wir? Wir putzen erst einmal unsere Wohnung. Erst fegen wir alles aus, wischen, machen das Bad, die Küche … das ist alles noch im Rahmen, ein vollkommen normales Verhalten und dient unter Umständen gar dazu unsere Konzentration zu fördern, wir machen „Reine“, wir bereiten uns vor, wir schaffen eine äußere Ordnung die Raum gibt, wir ritualisieren den Beginn unserer Arbeit, wir nehmen uns noch einmal Zeit in Gedanken die anstehende Aufgabe durchzuspielen, wir leeren unseren Geist, eine Zen-Geste … die Küchenschränke könnten auch mal wieder ausgeräumt und geputzt werden, oh je, mein Kleiderschrank quillt über, ich sollte mal ordentlich ausmisten, die Kacheln im Bad glänzen ja gar nicht mehr, meine Wand könnte mal wieder einen neuen Anstrich vertragen – und, wie sieht es eigentlich im Keller aus? — Jetzt fängt es an kritisch zu werden; oder: Das Verhindern beginnt.

Ich saß unlängst bei einer Freundin, die seit Wochen, seit Monaten gar, mit den Vorbereitungen ihrer Selbständigkeit beschäftigt ist. Also, genau genommen ist sie damit beschäftigt ihre Selbständigkeit zu verhindern, ihren Erfolg zu verhindern (denn der ist ihr sicher bei all den Talenten und außergewöhnlichen Fähigkeiten die sie ihr eigen nennen kann) Und alle alle helfen ihr dabei. Ihr Grafiker, der mit der Arbeit an ihrem Logo, Visitenkarte und Website beschäftigt ist antwortet regelmäßig nicht auf Ihre Mails, ist unzuverlässig und immer mit anderem beschäftigt. Ihr Computer stürzt regelmäßig ab und Ihre Familie stellt auf einmal absurde zeitliche Anforderungen an Sie. Der Sommerurlaub will geplant sein, das Arbeitszimmer braucht noch einen neuen Anstrich, der Terminkalender quillt über und stresst schon beim Anschauen, das Geld wird knapp – und natürlich gibt es jetzt auch noch eine Beziehungskrise vom Feinsten. Grundsatzfragen müssen geklärt werden. Jetzt. (Ich frage mich oft, wie viele Menschen ihre Beziehungspartner hauptsächlich danach auswählen, wie gut sie dazu dienen Ihre eigene Entfaltung, Ihren persönlichen Erfolg, Ihre Verwirklichung zu verhindern. Ein harter und undankbarer Job für einen Partner ist das – jedoch oft von Erfolg gekrönt.)

Irgendwann an diesem Nachmittag, inmitten einer der dramatischen Erzählungen was nun schon wieder (also von außen, spontan und vollkommen unvermittelt) passiert sei, musste ich auf einmal herzhaft lachen und sagte: Mach doch mal ein Liste mit all den Sachen die dich daran hindern das „deine“ zu tun und häng sie dir über den Schreibtisch – dann hast du immer genug Auswahl an Tätigkeiten dich dich abhalten von dem was du eigentlich willst, die dir Energie ziehen und dich so richtig schön auslaugen. Eine Verhinderungs-Liste.

Das ist eine Möglichkeit mit dem Thema Verhindern umzugehen. Oft reicht dann schon ein Blick auf die Liste, die uns ein Schmunzeln entlockt, und schon können wir uns dem zuwenden, was wir eigentlich tun wollen. Wir können dieser Liste eine zweite hinzufügen: mit Dingen die uns Energie geben, die uns unterstützen in unserer Konzentration. Dann steht vielleicht auf der einen Liste: Putzen bis zum abwinken, und auf der anderen Liste steht: 20 Minuten den Boden wischen, oder 15 Minuten die Ablage auf dem Schreibtisch abarbeiten – und das, das gibt uns dann Energie.

sagt in ihrem Buch „Coach dich selbst sonst coacht dich keiner“: „Wir können uns mit Dingen beschäftigen, die uns Energie kosten, oder aber mit Dingen, die uns mit zusätzlicher Energie versorgen. Beim Coaching lernen Sie, wie Sie Dinge, die Sie Energie kosten vermeiden und sich stattdessen zusätzliche Energiequellen erschließen können. Je mehr Energie Ihnen zur Verfügung steht, desto attraktiver und stärker sind Sie auch. Für energiegeladene und vitale Menschen, die genau das tun, was sie tun wollen, ist Erfolg selbstverständlich.“

Das Beseitigen von Unannehmlichkeiten, von Dingen, Tätigkeiten und Menschen die uns unnötige Energie kosten ist die Grundvorraussetzung dafür unsere Wege erfolgreich zu begehen und unsere Ziele zu erreichen.

Talane Miedaner empfiehlt eine Liste zu machen mit all den Unannehmlichkeiten und Ärgernissen in unserem Leben. Schreiben Sie 60-100 dieser Unannehmlichkeiten auf. – Ja. Aufschreiben. Nur darüber nachdenken wirkt nicht. – Ja, dazu gehört ALLES was Ihnen einfällt. Der kaputte Reisverschluss an Ihrer Lieblingsjacke, die unaufgeräumte Küche, die Steuererklärung, die Visitenkarte die immer noch nicht fertig ist, der blöde Grafiker, die Buchung des Sommerurlaubs, die lauten Nachbarn von Oben, das Parkplatzproblem jeden Morgen vor Ihrem Büro … alles, alles was Ihnen an Unannehmlichkeiten und Ärgernissen einfällt … ja, vielleicht gehört auch ihr Partner auf diese Liste, oder ein Arbeitskollege … ja, und schreiben Sie auch die Dinge auf, auf die Sie glauben keinen Einfluss zu haben

und dann

arbeiten Sie diese Liste ab. Punkt für Punkt. Gehen sie nicht der Reihenfolge des Aufschreibens nach. Erledigen Sie das, was Sie gerade gut erledigen können. Manche Dinge werden Sie schon ruckzuck an einem Tag erledigen können. Andere benötigen etwas mehr Zeit. Andere werden sich (scheinbar) von selbst erledigen, allein dadurch, dass Sie sie benannt haben – an der ein oder anderen Sache werden Sie vielleicht ein wenig zu kauen haben.

Belohnen Sie sich für die Dinge die Sie von Ihrer Liste streichen können – mit Dingen, die Ihnen Energie geben, die Sie immer schon einmal tun wollten. Schauen Sie einfach auf Ihrer anderen Liste nach. Tun Sie sich mit einem Freund oder einer Freundin zusammen. Motivieren Sie sich gegenseitig. Reservieren Sie einen Tag in der Woche um Ihre Liste abzuarbeiten.

Vielleicht sagt sich nun die eine oder der andere: Hmm, aber dieses „Verhindern“ steht doch für irgend etwas. Ist doch Ausdruck einer Angst (einer mangelnden Sicherheit) oder eine alten tief sitzende Struktur, ein Muster. Macht es nicht Sinn dem nachzuspüren, zu forschen was die Ursache all dessen ist?

Natürlich.

Wir können uns auch noch eine Weile mit dem Forschen beschäftigen. Wir können sogar dies zum Verhindern nutzen ;-). Wir können jedoch auch einfach anfangen diese Hindernisse aus dem Weg zu räumen. Schon allein das wird uns stärken, sollten wir dann, beim Abarbeiten unserer Liste an einen Punkt kommen, der uns jetzt vielleicht noch als „schwer, oder: hab ich keinen Einfluss drauf“ erscheint. Tun Sie es einfach. Gewöhnen Sie sich daran, dass Sie etwas bewirken können, selbstwirksam sind. Gewöhnen Sie sich an ihren Erfolg. Gewöhnen Sie sich daran energiegeladen und vital zu sein. Gewöhnen sie sich an die Größe die Ihnen inne wohnt.

Ich schließe diesen Blog mit einem Zitat von Martha Graham: Es gibt eine bestimmte Form der Vitalität, eine Lebenskraft, eine Energie, eine Bewegung, die sich nur durch SIE in Aktion umsetzen lässt. Und da Sie ein einzigartiges Wesen sind, ist auch dieser Ausdruck des Lebens einzigartig. Wenn Sie diese Lebensenergie blockieren, wird Sie niemals durch einen anderen Menschen lebendig und geht für immer verloren.

Viel Freude beim „Hindernisse aus dem Weg räumen“. Tanja Ries

P.S. Nein, das Geschriebene gilt nicht nur für berufliche Ziele … wir Verhindern auch Liebe, Nähe, Beziehungen … Ja, auch da können Sie einfach Listen schreiben, Punkte abhaken und anfangen ;-).

 

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5 Gedanken zu “Verhindern … aber richtig ;-)

  1. 😉 … ich bin ja schon ganz gespannt was du dann nach dem Termin zu erzählen hast.

    Ganz liebe Grüße. Tanja

  2. Toll Tanja 🙂 Großartig geschrieben und so wahr!

    ….mir kamen Erinnerungen als wir im Seminar drüber sprachen….macht Spaß sich zu beobachten, sich immer mehr zu erkennen (erst jetzt verstehe ich das Wort „Selbsterkenntnis“ !!!), zu durchschauen, zu verstehen, sich anzunehmen und dann los zulegen! Ich freue mich auf die nächsten Monate 🙂

    Herzlichen Dank!

    Fühl dich umarmt, von mir,
    Marion***

  3. Aja, mir viel was auf:
    Ich stimme Martha Graham zu – außer bei dem „es geht für immer verloren“:
    Ich denke dass Energie nie verloren geht….viel „schlimmer“ sie wird sich gegen uns richten…destruktiv sein….sich in Depression oder Agression (Druck,Leid,Schmerz) verwandeln!
    Und so kommt man, wie fast bei allen Themen,Bereichen, wenn man nachsinnt, zum Schluß: will ich mir selbst schaden? Oder will ich (anfangen) mich zu lieben und wert zu schätzen? Und da der Überlebenstrieb, die Liebe siegt – werden wir um unserer Selbst Willen anfangen unser Potentiale, Träume zu leben, Ziele zu verwirklichen 🙂
    Es ist Zeit :))) j
    Lasst uns uns lieben!

  4. Liebe Marion,

    da bin ich ganz bei dir :-).

    Und wenn es einen Sinn gibt im Leben, dann ist es wohl der: sich zu leben – und sich in seiner ganzen Vielfalt in die Gemeinschaft einzubringen …
    … damit nichts „verloren“ geht oder sich gar gegen uns richtet … sondern damit wir die Welt durch unser Da-sein ein wenig reicher und schöner machen.

    Liebe Grüße. Tanja

  5. Liebe Tanja,
    und irgendwie funktioniert’s – gestern kam auf einmal die Vietnam-Reise zu mir, die ich schon so lange mit einer gemixten Dringlichkeit (würd gern, aber wann, wie, wie bezahlen, und wer fährt mit?) auf meine Wunschliste gesetzt hatte. Ich hab eine einzige Frage gestellt, und auf einmal sieht’s so aus, als würde ich im Juli fahren. Tja. Brat mir einer einen Storch. Also, mehr Wünsche klar formulieren – und mehr fragen??

    Liebe Grüße,

    Käthe

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