Der persönliche USP – Kernwirkungen (essences)

Liebe Leser_innen,

in diesem Beitrag geht es um den Baustein Kernwirkungen als entscheidenden Bestandteil des USP. Warum entscheidend? – Da in diesen Kernwirkungspotentialen auch Elemente unserer Ziele und unseres Mythos sichtbar werden.

Sie kennen das. Jemand kommt zur Tür rein und Sie denken sofort: „Ach, wie natürlich, wie ehrlich und gewissenhaft“, oder „Oh, wie chaotisch und zickig“, oder „Hui, wie akkurat und diszipliniert und so locker dabei“. Sie haben keine belegbaren Informationen für Ihre Annahme, Sie kennen keine Geschichten über diese Person die diese Einschätzung von Ihnen unterstützt – doch Sie sind überzeugt davon. Sie haben sich einen ersten Eindruck gemacht.

Jeder von uns hat also verschiedene Potentiale die er schon im Ersteindruck vermittelt (und hier stimmt eben des öfteren Fremd – und Selbstwahrnehmung nicht überein) und (meist) auch Potentiale, die sich in diesem Ersteindruck nicht vermitteln. Die Gründe hierfür mögen mannigfaltig sein – es kann uns jedoch gut passieren, dass gerade hier sich das ein oder andere Potential verbirgt, welches zielführend für unser Anliegen z.B. einen neuen Job, ein Auftrag, Aufmerksamkeit usw., gewesen wäre.

Oftmals benutzen wir hier auch (unbewusst) Potentiale die uns vertraut sind, die uns in der Vergangenheit Erfolg beschert haben. Nur das, was uns z.B. mit 14 Jahren Erfolg beschert hat, mag nicht das sein was uns heute voran bringt.

Ein Beispiel: Eine Musical- Darstellerin, die schon im zarten Alter von 10 Jahren bei Mini-Playback-Shows das Publikum begeisterte, hat dies wahrscheinlich zu einem großen Teil mit den Potentialen „süß“ und „kindlich“ erreicht. Potentiale, die bezaubern können. Wenn sie nun, mit 25 und nach einer fundierten Ausbildung, nach der ein oder anderen Lebenserfahrung und mit einer großen Leidenschaft für die tiefsinnigen Fragen des Lebens, beschließt bei einer provokanten Performance- Truppe mit einzusteigen, dann hat sie ziemlich sicher geringe Chancen dies mit den Potentialen „süß“ und „kindlich“ zu erreichen. Hier gilt es nun, auch ihre anderen vorhandenen Potentiale schon im Ersteindruck ins Spiel zu bringen.

oder

Ein hingebungsvoller und höchst kreativer Autor, sagen wir einmal 45, der in den letzten Jahren den ein oder anderen beruflichen Rückschlag hatte – die feste halbe Stelle bei einer Fachzeitschrift für Literatur wurde wegen Personalabbau gekündigt, das letzte Buch wurde eine Ladenhüter – sucht einen neuen Verlag. Mittlerweile hat er ein großes (symbolisches) Schild auf der Stirn kleben: Frustriert. Das ist natürlich ein Teil seines momentanen Lebensgefühles, jedoch ist dadurch weder seine Hingabe noch seine Kreativität ersichtlich. Potentiale die ihn und seine Arbeit auszeichnen. Essenzen seiner Persönlichkeit.

Im Kernwirkungstraining geht es zuerst darum, die Potentiale unserer Persönlichkeit fassbar und beschreibbar zu machen – und sich durchaus auch mit denen auseinander zu setzen, die uns nicht so lieb sind. Viele gestandene Frauen finden es z.B. furchtbar wenn sie „naiv“ als Feedback bekommen. Und doch setzen sie dieses Potential unbewusst des öfteren ein – da sie in ihrem Leben eben schon „ganz gut damit durch gekommen sind“. Nur als Führungsperson ist „naiv“ natürlich nicht so angesagt. Dann gilt es zu schauen: was für Potential sind sonst noch in der persönlichen Ausstrahlung angelegt und wie können diese in den Vordergrund gespielt werden. Oftmals wird diese (fiktive) Frau dann versuchen das, ihr unliebsame, „naive“ zu verbergen – in der Regel kommt das so an, als würde sie mit dem Finger drauf zeigen. Hier gibt es die Möglichkeit, sich mit dem Wort naiv zu beschäftigen. Was bedeutet das eigentlich? Was für Potentiale sind darin angelegt? – Vorurteilsfreiheit, Offenheit … – und sich damit auszusöhnen. Die Folge dessen wird sein, dass das „naiv“ sich wandelt.

Wenn wir uns all unserer Wirkungen (Potentiale) bewusst sind, dann haben wir die Möglichkeit diese der Situation und unserer Zielsetzung entsprechend einzusetzen – und bleiben dabei immer authentisch. „Naiv“ mag in der Rolle der Führungskraft nicht angesagt sein (Offenheit schon ;-)), kann jedoch durchaus nützlich sein wenn wir z.B. einen Strafzettel bekommen, den Weg suchen oder überhaupt nicht wissen, wie wir nun diese riesige Kiste mit den Teilen für unseren neuen Schrank in unser Auto bekommen sollen ;-).

Wir können unseren Ersteindruck also, auf der Grundlage der verschiedenen, in uns angelegten Potentiale, steuern. Möglich ist dies mittels emotionaler Sätze, Sätze, die bei uns „zünden“, die ein Gefühl in uns auslösen, und die uns in den von uns gewünschten Zustand versetzen. Sie erinnern sich: Man sieht was wir denken wenn wir vor dem Photographen sitzen.

Unsere Gedanken beeinflussen nicht nur unsere Grundhaltung im Leben. Unsere Gedanken sind in unserer gesamten Körpersprache sichtbar. Versuchen Sie einmal mit einem „Ich bin der letzte Loser“ eine Gruppe von Menschen für sich zu gewinnen.

Und so ist es möglich, schon im Ersteindruck unser ganzes, bzw. das gwünschte Potential für unser Gegenüber sichtbar zu machen. Die Musical-Darstellerin wird im Performance-Casting mit ihrer Tiefe und ihrer Erfahrung punkten können. Das kindliche Potential, als spannenden Gegensatz, macht sie für diese Truppe um so attraktiver. Die Leidenschaft und Kreativität des Autors ist für den Verlagsleiter wieder spürbar und die Führungskraft besticht durch ihre Kompetenz und ihr klares Wesen – und trotzdem geht jeder gern für sie kopieren und trägt ihr die schwere Tasche nach oben.

Geht doch.

Ganz zum Schluss noch die Grenzen dieser Arbeit. Ich hatte in einem Kurs einen Mann sitzen, der wollte so gerne „witziger“ rüberkommen und unbedingt einen emotionale Satz für sich mit dieser Zielsetzung bauen. Und genau das war sein Problem. „Eigentlich ist er super o.k., wenn er nur nicht immer versuchen würde witzig zu sein“.

Wir können die Potentiale einsetzen die uns ausmachen, über die wir verfügen – nur dann sind wir authentisch. Alles andere kommt (berechtigterweise) künstlich rüber. Und mal ehrlich -wir müssen ja nicht alle witzig sein.

Viele Grüße. Tanja Ries.

P.S. im nächsten Blog zu diesem Thema geht es um den „Blinden Fleck“.

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