Vom Dringlichen und vom Wichtigen

Liebe Leser_innen,

wie verbringen Sie eigentlich so Ihren Tag? Oder besser, mit was für Tätigkeiten verbringen Sie Ihre Zeit, (er)füllen Sie Ihre Tage? Und, sind diese denn wirklich wichtig? Wichtig für Sie? Oder hält Ihr Tag (auch) immer zu wenig Zeit für Sie bereit? – wie gemein ;-). Wer bestimmt über Ihren Tag? Wie fällen Sie Entscheidungen? Sie wissen schon, dann, wenn die Ablenkungen um Ihre Aufmerksamkeit buhlen, wenn das „pling“ Ihres eMail-Programmes Ihr Hirn in einen Erregungszustand versetzt und Sie nicht anders können als – mitten in einem Gespräch, ganz kurz – also wirklich nur ganz kurz zu schauen wer Ihnen denn nun was schreibt (das „pling“ kann getrost durch das „piep“ einer SMS ersetzt werden ;-)), oder wahlweise eine andere Tätigkeit, der Sie sich gerade – endlich – konzentriert widmen wollten, zu unterbrechen. Das Telefon, dieses aufdringliche Klingeln das Dringlichkeit behauptet – und dann ist eine Freundin dran, die Sie, zugegebenermaßen, wirklich sehr mögen, und die Ihnen dann, zum wiederholten Male von Ihrem Leid mit Ihrem Partner erzählt (nicht, dass sich seit dem letzten Gespräch etwas Entscheidendes verändert hätte) und schwupp – schon wieder ist eine Stunde vorbei. Auf dem Weg in die Küche (Sie wollen sich jetzt endlich mal einen Kaffee machen, den haben Sie sich ja jetzt auch redlich verdient) kommen Sie wieder an diesem hohen Papierstapel, diesem „Unerledigt“-Stapel vorbei, der Ihnen zuzurufen scheint: „Bitte, beschäftige dich jetzt endlich mit mir. Ich weiß schon gar nicht mehr was alles auf mir liegt. Das wird noch böse enden“. Und da Sie nun eh schon ein schlechtes Gewissen haben fällt Ihnen auch noch ein, dass Sie, seit Wochen schon, endlich mal den Keller ausmisten müssen. Dringend. Die Winterklamotten könnten Sie dabei auch endlich hoch holen. Puh, die Last wird immer größer, erst einmal, nun endlich, den Kaffee trinken … mal schaun, was auf Facebook heute so los ist … und wie Sie da so sitzen, Ihren wohlverdienten Kaffee in der Hand, fällt Ihr Blick auf das Fenster. Das ungeputzte Fenster. Sie fühlen sich ausgelaugt und überlastet. Wo anfangen? Wie das alles organisieren? Erst einmal einen Plan machen? … da klingelt das Telefon.

Der Abend bricht an.

Die Unterscheidung vom Dringlichen und vom Wichtigen

Dringlich – dringlich, das sind die Dinge (oder Menschen), die Dringlichkeit behaupten. Das Telefongeklingel – sirenengleich – ist ein gutes Beispiel dafür. Wie viele Menschen gehen tagtäglich los mit dem festen Vorsatz sich Ihrer eigentlichen Arbeit zu widmen um am Abend mit dem Gefühl nichts geschafft zu haben wieder nach Hause zu gehen. Das meint nicht, dass nicht das ein oder andere Telefongespräch auch wichtig sei. Das meint:wie oft lassen wir uns aus unserer Konzentration herausreißen, unterbrechen den Fluss des Schaffens indem wir dem Ruf des Telefonklingelns folgen. Und mal ehrlich – wie viele Gespräch gibt es, die nicht getrost auch die ein oder andere Stunde (oder gar Tag) später geführt werden können. Die Steuererklärung, eine anderer Dringlichkeits-Klassiker. Ja, es ist gut sie zu machen. Fristgerecht. Es ist Quatsch, sich monatelang mit ihrer Dringlichkeit zu belasten – ohne sie zu machen. Und bestimmt kennen auch Sie einen Menschen, also diese Menschen, die, ganz gleich um was es geht, immer diese Dringlichkeit behaupten. Die immer so klingen als würde sofort die Welt unter gehen wenn wir uns Ihnen und Ihren Anliegen nicht sofort widmen. Oder die, die dauernd nicht präsent sind, da Sie immer mit einem Auge auf dem Display Ihres Handys verweilen. Es könnte ja jeden Moment DAS Angebot Ihres Lebens reinkommen, welches verwirkt ist, wenn Sie nicht in der nächsten Sekunde darauf reagieren.

Doch was ist wirklich wichtig?

Wichtig sind die Aufgaben und Tätigkeiten denen wir „Gewicht verleihen“. Die für uns und unser Weiterkommen, unser Glück, unsere Lebensqualität, unsere Zielverfolgung und unsere persönliche Entfaltung wichtig sind. Um zu wissen, was für uns wichtig ist, Gewicht hat, brauchen wir wiederum einen Fokus, ein Ziel, eine Vision.

Die Kunst besteht darin, dem „Wichtigen“ eine gewisse „Dringlichkeit“ beizumischen.

Um wieder auf die Frage zurück zu kommen: Wie verbringen Sie eigentlich so Ihre Tage? Oder besser, mit was für Tätigkeiten verbringen Sie Ihre Zeit, (er)füllen Sie Ihre Tage?

Das Eisenhower-Prinzip ist eine Möglichkeit, anstehende Aufgaben in Kategorien einzuteilen. Sie werden im Internet viele Vorlagen zu dieser Kategorisierung finden. Ich bevorzuge die unten abgebildete Aufteilung, in der der obere, linke Quadrant dem „Wichtigen, jedoch nicht Dringlichen“ zugeordnet ist, und empfehle ebenfalls, diesen Quadranten – einfach frei – per Hand auf ein Blatt Papier zu zeichnen.

Sie haben nun die Möglichkeit alle Tätigkeiten und Aufgaben die für Sie anstehen in diese Quadranten einzuteilen – und dies zu vergleichen mit den Tätigkeiten und Aufgaben, mit denen Sie wirklich Ihre Tage (er)füllen.

Wie sieht es aus? Welcher Quadrant nimmt in Ihrem Alltag den meisten Raum ein? Links unten? Ja?

Dann geht es Ihnen so wie vielen Menschen die dem Ruf des „Dringlichen“ folgen und dabei das „Wichtige“ mehr und mehr aus den Augen verlieren (und sich im übrigen noch meist darüber wundern, dass es Ihnen „irgendwie nicht gut geht“).

Aber, was tun? Neigen Sie dazu, nun einfach mehr und mehr Tätigkeiten in die obere Hälfte zu verschieben? Oder gar, die obere Hälfte zu füllen? Meinen Sie, dass Ihre Zeit dafür nun ausreicht?

Die Klassiker für diese linke untere Feld – dem Dringlichen aber nicht Wichtigen – habe ich Eingangs beschrieben. Viele davon – ebenso wie im rechten unteren Feld – können sie schlicht ersatzlos streichen. Andere delegieren. Ja, und selbst die Steuererklärung, die irgendwann unweigerlich nach rechts oben, in das „Dringlich & Wichtig“- Feld wandern wird, lohnt ab und an eines Delegierens. Dann, wenn der Aufwand und der Stress den Ihnen diese Tätigkeit abverlangt nicht in Einklang mit dem Gewinn steht.

Arbeiten Sie eine zeitlang mit diesem Quadranten. Beobachten Sie, wie sich die Gewichtung in den einzelnen Feldern verschiebt. Wie Sie auf einmal „Zeit übrig haben“. Vielleicht gehört „Facebooken“ anfangs in das „Nicht Dringlich & Nicht Wichtig“-Feld. Vielleicht merken Sie, dass, ab und an, 5 Minuten Facebooken sie entspannt. Dann rutscht „3 x täglich 5 Minuten Facebooken“ vielleicht gar von C nach B.

Entspannung, ebenso wie Werteklärung, Zielfindung, echte Erholung, Beziehungsarbeit – und was für Sie sonst noch wichtig ist (was wiederum unmittelbar mit Ihren Werten zusammenhängt ;-)) – gehören in den Bereich B, oder gar A?

Was für Sie wichtig ist, das können nur Sie entscheiden. Sie sind die-/derjenige, die/der den Dingen Gewicht verleiht.

Ich habe meine Zeit gerade mit „Wichtigem“, also im Quadranten B verbracht. Es gibt keine Dringlichkeit einen neuen Blogbeitrag zu veröffentlichen. Es ist mir wichtig. Schreiben ist (kreativer) Selbstausdruck für mich. Schreibend eigne ich mir die Welt an. Schreiben ist Vor – und Nachbereitung für mich. Ermöglicht Entwicklung. Meine. Und ermöglicht dies (im günstigen Falle) auch anderen. Schreiben (er)füllt (meinen Tag). Macht Sinn. Bringst mich meinen Zielen Stück für Stück näher. Und nun, gefüllt, kann ich mich leichten Mutes dem A-Quadranten zuwenden.

Ich wünsche Ihnen viel Freude beim „Gewichten“ und mit (neu) Ihrer gewonnenen Zeit.

Tanja Ries

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Ein Gedanke zu “Vom Dringlichen und vom Wichtigen

  1. Ich wusste es!!! GENIAL 🙂 Einfach, logisch, sinnig, inspirierend, gut – einfach TANJA ;)))

    Alles Liebe und auf zu den mir wichtigen Dingen!

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