Wenn die Stille laut wird … oder vom Müßiggang und so

Liebe Leser_innen,

ich weiß ja nicht ob Sie in diesem Sommer schon Urlaub gemacht haben, oder gar den heutigen Tag mit den erwarteten 34° dem Müßiggang widmen. Ich habe mich in diesem Jahre, ganz untypischerweise für mich, dem „urlauben“ hingegeben – und neben dem, dass diese Stille die ein oder andere Frage in mir hat laut werden lassen, verstehe ich nun auch endlich, was Dr. Gerhard Huhn (Flow-Akademie) innerhalb meiner Fortbildung zum Flow-Coach damit meinte, dass der Jahreswechsel und der Sommer sich gut für die Beschäftigung mit den eigenen Zielen eignet.

So wird dies nun also ein recht persönlicher Blogbeitrag über mein Urlauben … keine Angst, ich werde Sie vor Fotos á la „Mein schönstes Ferienbild“ verschonen und mich mehr dem „Innen“ widmen.

Da hatte ich nun also ein bewegtes und bereicherndes erstes Halbjahr hinter mir – mich einer weiteren Ausbildung gewidmet, neue Geschäftsräume angemietet und gestaltet, viele Workshops gegeben, mich einem neuen Bildungsprojekt gewidmet – und bin so, glücklich und erfüllt, erst einmal für ein paar Tage an die See gefahren. Neben dem gepflegten Nichts-Tun wollte ich mich der Überarbeitung meiner Ziele widmen. Ein Teil meiner zum Jahresanfang gesteckten Ziele hatten sich in tubogeschwindigkeit in die Realität umgesetzt, so, dass ich den ein oder anderen Parameter nachjustieren wollte … und zudem sind wir Coaches ja, allein von Berufs wegen und so, permanent mit unseren Werten und Zielen und so beschäftigt ;-).

Eines der ersten Phänomene welches mich, – ich, so der Ruhe des „Löcher-in-die-Luft-guckens“ und dem Lesen gewidmet – ereilte, war, dass ich das Gefühl hatte, mir ginge mein Selbstverständnis vom Leben verloren. Anders vermag ich das nicht zu beschreiben. Vielleicht noch – die Art und Weise wie ich mir die Welt aneigne oder mich in der Welt verorte.

Gut. Kein Ding. Also, klar. Meine Alltagsroutine, die eigentlich weit entfernt von Regelmäßigkeit, ward außer Kraft gesetzt. Mein Arbeitsalltag, der mir in den letzten Monaten so viel Freude und Inspiration, so viel Warm ums Herz und Gelingen bereitet hat. Aber das kann ja nicht alles sein, oder? Auch wenn ich es absolut erstrebenswert finde im Beruf eine Berufung und sein Glück zu finden, auch wenn ich gerade einen beruflichen Identitätswechsel vollzogen hatte. Und – entspringt nicht mein Tun, mein berufliches Tun, einem tiefen Bedürfnis an Verwirklichung? Also, an Verwirklichung von Werten in meinem Leben? Hab ich diese nicht wieder und wieder gedreht und gewendet und formuliert und  definiert? Was war das noch mal?

Gut, aber daran wollte ich ja auch so ein wenig arbeiten im Urlaub (man achte auf die Formulierung 😉 ). Nachjustieren und so.

Das zweite was mich ereilte war, dass die Stille laut wurde.

Zu Anfang war das ein wenig seltsam. Also, die Stille wurde laut, aber ich konnte sie noch nicht so richtig hören. Es war mehr ein Wispern, ein Murmeln, noch keine klaren Worte, wie Bilder, die sich in Träumen manifestierten, verschwommen noch. Und ja, dann kamen die Träume mit einem jubilierenden „Juhu! Endlich schläft sie mal aus und kann sich so viel besser an uns erinnern. Yeah, endlich haben wir mal wieder Raum ihr die ein oder andere Angst aufzuzeigen, die sie vor lauter „machen und tun“ vernachlässigt hat.“

Gut. Also, kein Ding … ich wollte ja eh …

Ich hab mich gefreut, als mir nach 5 Tagen der verständnisvolle Satz: „Willst du nicht morgen schon zurückfahren? Vor dem stressigen Wochenendverkehr?“ entgegengebracht wurde. „Ja!“ Also, nicht arbeiten gehen, nur zurück zu meinem Computer (man muss sich vorstellen, ich hatte „fremdgeschrieben“ und ihn zuhause gelassen), meinem gewohnten Sommerarbeitsplatz auf dem Balkon, also nur so zum rumsitzen, nicht zum arbeiten.

Was ich dann auch tat.

Eine Woche später habe ich es nochmals gewagt. Für zwei Woche. Am Stück. Und es war gut. Erhellend. Entspannend. Ja, ich hab mich am Ende der zweiten Woche sogar richtig gut gefühlt. Ich wär sogar noch länger geblieben. Wirklich.

Mittlerweile habe ich meine Ziele, mein Zielszenarion für das kommende Jahr überarbeitet. Es ist ein anderes geworden durch das, was dann doch laut werden durfte, Gestalt und Wort wurde. Nicht, dass sich in meinem grundsätzlichen Tun etwas geändert hätte – ehr in dem „Wie“ und „Wofür“. Und der Müßiggang, das Nichts-Tun, hat einen viel größeren Raum bekommen.

Müßiggang – bedeutete stets die Zeit, die man für sich verwendetet, um sich zu erbauen,  nachzudenken, Neues zu entdecken, ein Übungsfeld für die Menschheit und ihren Geist also.

Nichtstun – das hieß zu allen Zeiten ja immer auch, das zu tun was man will, was man gern und ebenso wichtig an und für sich tut.

(zitiert aus der aktuellen brand eins, August 2012, mit dem tollen Titel „Nichtstun“, die mir, nach der Stille, die dann laut wurde, die Zeit versüßt und mich inspiriert hat)

So halte ich nun des öfteren Inne, in all dem wundervollen und inspirierenden Tun. Vielleicht konzipiere ich ja ein Seminar zum Thema Müßiggang. Und da sitzen wir dann alle rum, starren Löcher in die Wände oder gucken in die Wolken, geben ab und an ein Wort von uns und lassen die Beine und die Seelen baumeln. Und wer zuerst Anzeichen von Geschäftigkeit erblicken lässt, der muss die nächste Runde Kaffee und Kuchen übernehmen oder wird zum Schweigen in die Hängematte verbannt, oder so ;-).

Und nächsten Sommer, also nächsten Sommer, da mache ich vier Wochen Urlaub. Mindestens.

Herzliche Grüße. Tanja Ries.

P.S. Sollte es Ihnen ähnlich gegangen sein und Sie das Bedürfnis haben Ihre Zielrichtung, oder Ihr „Warum“ und „Wofür“ neu zu betrachten oder festzulegen, so können Sie das gern in meinem Workshop: Wege zum Ziel … wie Beruf Berufung sein kann – und nein, da geht es nicht nur um den Beruf/die Berufung. Es geht um das Leben.

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