Muße II … von der Kunst des Annehmens

Liebe Leser_innen,

wie oft, wenn wir einem Widerspruch begegnen, einem (scheinbaren) Paradox, einem Schmerz oder einer anderen Situation die im ersten Moment unangenehm scheint, wollen wir nur noch eins, und das sofort: eine Lösung.

Wir suchen nach Werkzeugen, nach Methoden diese Zustände so schnell wie möglich zu überwinden, da wir meinen die dadurch erzeugte (An)Spannung nicht aushalten zu können. „Das soll weg. Und zwar schnell.“

Wir wollen den Widerspruch überwinden, anstatt ihn anzunehmen, sein zu lassen und gerade dadurch zu ermöglichen, dass Neues entstehen kann. Wir wollen den Schmerz verbannen, anstatt ihn anzunehmen, ihn zu durchdringen und uns ein Stück näher zu kommen. Wir wollen Ruhe inmitten des Lärms, anstatt die Qualität des Lärms zu betrachten. Wir wollen Tun, weil das Sein-lassen uns so schwer fällt

Die Kunst des Annehmens … und des Loslassens

Chiara Zamboni, Professorin für Sprachphilosophie, über Paradoxa und existentielle Widersprüche

Auszug: Beim Nachdenken in der Begegnung mit anderen stehen wir manchmal vor Widersprüchen, die das Leben ändern und die zu etwas Symbolischem gemacht werden können, allerdings nur, wenn sie angenommen, durchlebt und durchlitten werden. Vorher ist das nicht möglich. Die Denkarbeit besteht in diesem Fall darin, sie wahrnehmen zu können und sie genau auf den Begriff zu bringen. Und darin, nicht den Fehler zu begehen, sie harmonisieren zu wollen und konventionelle Lösungen vorzuschlagen. Es gehört zu den Fähigkeiten des Denkens, in einer Situation des Leidens verharren zu können. Dort muss auf den Wunsch, zu handeln und das Leiden mit einem Satz zu überwinden, verzichtet werden. Die Vernunft lässt sich kaum zügeln und will Lösungen finden, aber das Denken kann das Schachmatt-Gesetztsein annehmen und warten.

Meisterschaft im Loslassen oder im So-sein-lassen finden wir immer wieder im Zen
Die Kunst des Weglassens

Im beständigen Annehmen, im Aushalten dass wir (noch) keine Lösung haben befinden wir uns ebenfalls in jeglichem kreativen Prozess
How to solve problems by doing nothing

Ein Meister des So-sein-lassen’s – und darin immer wieder große Schönheit zu entdecken – ist für mich nach wie vor John Cage. Und das nächste Buch das ich mir kaufen werde ist:
Where the Heart Beats: John Cage, Zen Buddhism and the Inner Life of Artists

…und das letzte Buch, dass ich mir gekauft habe und gerade lese ist von der wundervollen Brene Brown: Die Gaben der Unvollkommenheit.
In diesem Buch gibt sie ihr gesammeltes Wissen aus vielen Jahren Forschung über Scham und Verletzlichkeit weiter. Ihre Kernthese ist, dass wir allein im Annehmen unserer Verletzlichkeit, unserer Unvollkommenheit dazu in der Lage sind in Verbindung zu treten.
Zitat: Deine Geschichte anzuerkennen und dich dafür zu lieben, ist das Mutigste, was du je tun wirst.

Mit diesen Worten wünsche ich euch eine gute Zeit.

Tanja Ries.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s