Wenn ich mal down bin … oder: der Blick der Anderen

Liebe Leser_innen,

ich hoffe, Sie haben alle einen grandiosen Sommer verbracht und starten jetzt energiegeladen und gestärkt in das letzte Drittel des Jahres. Ich wünsche Ihnen das.

Vielleicht fühlen Sie sich aber auch gerade ausgelaugt, mutlos, zweifeln oder sehen den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr; sind sich nicht mehr sicher ob ihr Vorhaben, eine Geschäftsidee, eine neue Richtung die Sie eingeschlagen haben oder was immer es auch sei, von Erfolg gekrönt sein wird.

So, wie eine Klientin die ich unlängst in einem Erfolgsteam erlebte. Nennen wir sie Petra*. Gute zwei Jahre am Markt. Bereich Design/Mode. Zwei Produktlinien in unterschiedlichen Preiskategorien am Start.

„Bei mir geht gerade gar nichts. Die Kassen sind leer. Ich glaube, ich stampfe die eine Linie ein. Ich muss alles grundsätzlich ändern.“ Und dann erzählte Sie weiter was gerade so alles passiert. Hätten wir anderen ihren Eingangstext nicht gehört, wir hätten einstimmig gesagt: Wir lauschen einer Erfolgsgeschichte. Einer Geschichte, bei der gerade Weichen neu gestellt werden, die mehr und mehr zu ihrem Kern vordringt, sich zeigt, die schon auf einige außergewöhnliche Erfolge in ihrer kurzen Zeit des Bestehens zurückblicken kann – und ja, die momentan einen finanziellen Engpass zu beklagen hat und dabei ist den Kurs zu korrigieren. Oder besser: sich zu besinnen.

Das ist ein absolut normaler und auch unerlässlicher Vorgang bei jeder Gründung, in jedem Projekt, bei jedem Vorhaben: Situationen, die uns dazu herausfordern wieder und wieder zu überprüfen ob wir „auf unserem Weg sind“ und „die Richtung noch stimmt“. In den Momenten, in denen wir jedoch „down sind“ – das Telefon steht still, die Auftragslage ist mau, der Kontostand lässt zu wünschen übrig und zu alle dem regnet es auch noch – geht es darum Strategien zu entwickeln wie wir aus dem Tief herauskommen.

Inspiriert durch den Blogbeitrag Wie sich Resilienz trainieren lässt und eine kleine Umfrage bei Facebook möchte ich Ihnen gerne die ein oder andere Idee ans Herz legen wie es wieder bergauf geht.

Suchen sie den Blick der Anderen

Treffen Sie sich mit Freunden, oder mit zugewandten, wohlwollenden Kollegen. Schildern Sie Ihre Situation, lassen Sie Fragen zu und genießen Sie den Blick der Anderen. Diese sind eher dazu in der Lage in solchen Momenten Ihre Erfolge zu sehen oder Lösungen und Ideen für akute Probleme parat zu haben. Großartig hierfür ist (meine Klient_inn_en und Seminarteilnehmer_innen kennen diese Gebetsmühle schon) ein Erfolgsteam. Menschen, die ihren Weg seit längerem begleiten und auch Ihre Höhen miterlebt haben. Das führt mich schon zum nächsten Punkt.

Verlassen Sie die Froschperspektive

Betrachten Sie Ihre Situation in einem größeren (zeitlichen) Zusammenhang. Das kann Wunder wirken. Wie viele von Ihnen wissen, habe ich seit gut einem Jahr Seminarräume, den yellow fish. Diese bieten mir und anderen großartige Möglichkeiten und ich genieße es jeden Tag die Tür zum lauschigen Innenhof zu öffnen und die Ruhe zu genießen. Gleichzeitig stellen sie einen nicht zu verachtenden Ausgabeposten dar. Im Sommer liefen die Vermietungen nicht so gut. Gar nicht gut. Wenn ich mir also die Kontobewegungen der letzten zwei Monate angucke: Na ja. Oh je. Wenn ich mir jedoch die Steigerung der Mieteinnahmen in diesem Jahr anschaue oder einen Vergleich zum letzten Jahr anstelle – dann sieht es gleich ganz anders aus. Was mich wiederum zum nächsten Punkt führt: Geld ist natürlich wichtig, aber bei weitem nicht alles.

Verbinden Sie sich immer wieder mit ihrem wirklichen Ziel

Wie jetzt? Wirkliches Ziel? Was meint sie denn jetzt damit? Ich habe diese Räume nicht angemietet mit dem vordergründigen Ziel Geld zu verdienen, ich habe sie eingerichtet und gestaltet um Raum zu schaffen; Raum für Entwicklung, Raum für kreatives Schaffen, Raum, in dem Menschen sich wohl fühlen, geborgen, inspiriert. Eine Insel die ermöglicht. Was mir wichtig ist, ist, dass dort Begegnung und Bewegung stattfindet. Dass die Räume mit Leben gefüllt sind. Woher die Finanzierung dafür kommt ist zweitrangig. All das hat stattgefunden, auch in den letzten Wochen. In Besprechungen und Netzwerktreffen oder in Workshops eines neuen Projektes bei dem ich mitwirke, dem STREET COLLEGE.

Was ist Ihr wirkliches Ziel? Was war Ihr Beweggrund um zu gründen oder neue Wege einzuschlagen? Haben Sie sich das aufgeschrieben? Ich kann Ihnen nur wärmstens empfehlen so eine Zettel, ein schönes Buch oder eine Kollage, auf dem klar und deutlich zu sehen ist was Sie wollen, was ihre Beweggrund sind und wie es sich anfühlen soll, immer parat zu haben. Und dann ==>

Investieren Sie. Gehen Sie in Bewegung.

Verhalten Sie sich antizyklisch. Investieren Sie dann, wenn Sie meinen „nichts geht“. Ich rede jetzt nicht gleich von dicken Krediten (die manchmal auch not-wendig sind). Ich begreife Investition als  Zeichen von Wertschätzung – für ihr Projekt, ihr Vorhaben. Ein Zeichen von Bewegung. Ich habe gerade letzte Woche mein Klavier in den yellow fish transportieren lassen. Eine neue Komponente, neue Möglichkeiten. Eine neue Atmosphäre. Und schwups: nun gebe ich diese Woche zum ersten Mal seit langer Zeit wieder Gesangsunterricht im Rahmen eines Projektes und habe eine Mietanfrage für Workshops mit Musik bekommen. Es reicht auch ein Besuch im Schreibwarenladen und die Investition in eine paar gut funktionierende, schöne Kugelschreiber aus Holz. Oder buchen Sie eine Fortbildung. Kaufen Sie ein teueres Fachbuch, mit dem Sie schon lange liebäugeln. Ganz gleich in was Sie investieren oder wie ihr Bewegen aussieht, die Reaktionen erfolgen meist in kürzester Zeit.

Tun Sie sich Gutes

Verbinden Sie sich mit dem Gefühl von Luxus und Fülle. Darüber habe ich unlängst schon einen Blogbeitrag geschrieben und musste doch sehr kichern, als bei meiner kleinen Facebook-Umfrage zuerst: Schokolade genannt wurde. Ein Punkt, bei dem sich alle einig waren. In punkto Luxus sind Ihrer Fantasie natürlich keine Grenzen gesetzt. Hauptsache es fühlt sich gut an, entspannt und stärkt Sie. Das ist ein Weg sich Gutes zu tun. Der andere ist die Haltung mit der Sie sich begegnen, die Wertschätzung die Sie ihren eigenen Schritten, jeder einzelnen Etappe die Sie schon gegangen sind entgegenbringen; ja, auch der an der Sie sich gerade jetzt befinden.

Ich wünsche Ihnen eine gute Zeit, umringt von Freunden, das Gefühl ihres Zieles im Herzen tragend und mit einem Schokoriegel bewaffnet neue Investitionen planend.

Was machen Sie wenn Sie mal down sind? Ich freue mich, wenn Sie Ihre Tipps und Strategien hier mit uns teilen.

Viele Grüße. Tanja Ries

P.S. Ich meine in diesem Beitrag mit „sich down fühlen“ nicht ernsthafte Anzeichen eines Burn-Out/Depression. Dies erfordert anderes und mehr.

*Name und Branche geändert

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3 Gedanken zu “Wenn ich mal down bin … oder: der Blick der Anderen

  1. Den klaren Blick von Außen hätte ich gerne immer bei mir in der Hosentasche! Wie oft nimmt man (okay ich) seine tollen Fähigkeiten und Angebote aus einem verschobenen Blickwinkel wahr und sieht sich resignierend beim nächsten Supermarkt an der Kasse. Wenn ich zweifle, suche ich die Inspiration. Gespräche mit lieben Freunden und Bekannten sind toll oder ich investiere in Bildung. Was ja auch eher ein Zeitinvestment ist. Der Wochenend-Volkhochschulkurs ist zumindest vor drei Stunden festgeklopft worden. Die Faulheit besiegt. Tage, auf die ich mich freue.
    Gleich versuche ich es noch mit Putzen, soll ja bekanntlich auch helfen 🙂

    • Das mit der „Hosentasche“ ist ja ein Leichtes, vor allem, wenn man schon an sich gearbeitet hat und die Fähigkeiten und Angebote definieren kann. Einfach aufschreiben – und ab in die Hosentasche für schlechte Zeiten.
      Was ich auch mag sind Erfolgslisten, so wie auch Glückslisten, Dankbarkeitslisten usw. Regelmäßig gemacht trainieren sie den Blick auf Erfolge, Glück etc. Und vor allem kann man sie, eben auch in den schlechten Zeiten, nachlesen.
      Ich empfehle entweder mit täglich dreien anzufangen, oder ab und an eine ABC-Liste zu machen.

      Und danke, dass du das mit dem Putzen erwähnt hast. Ich finde auch, das ist eine der besten Methoden sofort in Bewegung zu kommen und sich gut zu fühlen.

      Liebe Grüße. Tanja

  2. Danke für diesen inspirierenden Beitrag. Merci.

    Ich hänge meist auch erst in der ‚Schockstarre‘ und möchte mich am liebsten ins Bett verkriechen. Seit einiger Zeit versuche ich dann dem ’schlechten‘ Gefühl Raum zu geben, es anzunehmen und mich selbst nicht dafür zu verurteilen oder so. Das schenkt mir dann kraft, einen klareren Blick und daraus dann wieder in bewegung (gezielter und nicht im blinden Aktionismus) zu kommen oder mal bewusst innezuhalten.
    Dann versuche ich zu akzeptieren, dass das leben gerade etwas anderes in den Vordergrund schiebt, wenn das der Fall ist.

    Meine ‚Mittelchen‘ im Alltag: Schokolade, Streusselschnecke, Fernsehen (ich geb’s zu), Musik hören. Einen Zettel habe ich in der Tasche, Notizen die ich mir aus deinem Workshop kopiert hatte. Und wenn ich Zeit habe, besuche ich gern eine Ausstellung. Da kann ich mit mir allein sein und mich inspirieren lassen.

    Nun bin ich aber so down, dass mir die Augen zu fallen. Gute Nacht und liebe grüße, Doreen

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